Freitag, 24. Dezember 2010

¡ Feliz Navidad !


Frohe Weihnachten und Feliz Navidad aus Südamerika! Es ist schon schwer zu fassen, dass Heiligabend vor der Tür steht und hier gerade der Sommer begonnen hat. Bei 30 Grad mitten im Dezember am Strand von Punta del Este (Uruguay) zu stehen, fühlt sich irgendwie sehr surreal an. Der Weihnachtsmann trägt kurze Hose, oder gleich Badehose, und nimmt sich zur Abkühlung ein Bad in den Wellen des Atlantiks... 


Wir wünschen euch allen schöne Feiertage, lasst euch reich beschenken, nicht zu sehr einschneien und genießt die freien Tage in der Heimat! Es ist nun auch mal  an der Zeit Danke zu sagen, für eure vielen Blog-Kommentare, Mails und Weihnachtsgrüße. Es freut uns immer wieder zu hören, dass ihr mit Spannung unsere Abenteuer in Südamerika verfolgt :-)


Nach einem einwöchigen Abstecher nach Uruguay sind wir wieder in Buenos Aires gelandet, wo wir nun Heiligabend verbringen werden. Mit argentinischem Rindsteak statt Weihnachtsgans. Und bei Tango-Musik statt "Oh, Tannenbaum". Schon am Sonntag geht die Reise dann weiter, tausende Kilometer in den tiefsten Süden, an den letzten Zipfel des Kontinents, ans Ende der Welt: auf Feuerland!

Das Abenteuer geht jetzt erst richtig los...

Dienstag, 21. Dezember 2010

Boca Juniors, La Bombonera, der Wahnsinn


Diego Maradona feierte hier in den 80er-Jahren seine ersten Erfolge. La Bombonera, die legendäre „Pralinenschachtel“ von Buenos Aires, ist bekannt für ihre atemberaubende Akustik, extrem steil ansteigende Tribünen und die leidenschaftlichsten Fußballfans der Welt. In diesem Stadion ein Spiel zu erleben, ist der Traum eines jeden Ballsport-Enthusiasten - und für uns wurde er am vergangenen Montag wahr. Wir waren bei der letzten Partie des Jahres der Boca Juniors gegen den Club Gimnasia La Plata live dabei. Wie lange hatte ich diesem Spiel, meinem mittlerweile 19. Groundhopping-Länderpunkt, entgegen gefiebert!

 

Bereits eine Eintrittskarte zu organisieren, war ein kleines Abenteuer. Da für Ligaspiele im 50.000 Zuschauer fassenden Estadio Alberto Jacinto Armando (so der offizielle Name) keine Tickets in den freien Verkauf gelangen, bleiben auswärtigen Besuchern nur zwei Möglichkeiten: Entweder auf dem Schwarzmarkt zuzuschlagen (dreifacher Preis für wahrscheinlich gefälschte Tickets) oder Karten über Fußball-Agenturen in Buenos Aires zu bestellen (die sichere Variante zum fünffachen Preis). Nach einer vergeblichen Irrfahrt durch die Stadt auf der Suche nach einer preiswerteren Option schlugen wir bei den Agentur-Tickets zu – und standen Punkt 19 Uhr inmitten von tausenden heißblütigen Anhängern im Hintertor-Fanblock des Boca-Tempels.



„Dale-dale-dale-o!“ Aus rund 40.000 Kehlen klingt bereits zum Anstoß der Schlachtruf der Blau-Gelben, die ihrem Club trotz miserabler Hinrunde die Treue halten. Nach der 0:1-Niederlage im Derby gegen den Stadtrivalen River Plate im November dümpelt der bekannteste argentinische Club derzeit im Mittelfeld der Primera División herum. Doch Martin Palermo schenkt den Fans gegen Gimnasia bereits nach vier Minuten einen Hoffnungsschimmer. Mit dem 300. Tor seiner Karriere schießt der Nationalstürmer die Bocas unter Jubelstürmen kurz nach Anpfiff in Führung!









Ein zweites Tor lässt auf sich warten, doch die hinchas blasen in der zweiten Halbzeit zum Angriff. Während die argentinische Sonne hinter den blau-gelb gefärbten Tribünen untergeht, brüllt und trillerpfeifft sich die barra brava ihre Seele aus dem Leib und taucht die Tribünen mit Bengalos in orangenen Rauch. Aber es soll nichts nützen. Wie aus dem Nichts netzt Gimnasia in der 71. Minute durch einen Freistoß von Juan Neira zum Ausgleich ein. Und obwohl Boca danach noch einmal alles nach vorne wirft, reicht es am Ende nur zu einem unversöhnlichen 1:1.



Den Hinrunden-Meisterpokal in Argentinien (wie in den meisten südamerikanischen Ländern werden auch hier zwei Titel pro Saison vergeben) stemmt das Team von Estudiantes de La Plata in den Himmel. Für die Boca Juniors bleibt zum Abschluss der Appertura nur der undankbare elfte Platz. In unseren Köpfen jedoch bleibt die Erinnerung an eine unvergessliche Fußball-Nacht...

Donnerstag, 16. Dezember 2010

¡ Buenos dias, Buenos Aires !


Hell beleuchtet ragt er in den argentinischen Abendhimmel. Während rechts und links auf der Avenida 9 de Julio der Autoverkehr fließt, steht der Obelisk von Buenos Aires wie ein strahlender Fels in der Brandung. Bei Nacht wirkt es, als würde sich die Lava eines Vulkans ihren Weg um ihn herum durch Argentiniens Hauptstadt bannen. Das Auto-Meer auf der mit 20 Spuren breitesten Straße der Welt umschlingt das Wahrzeichen im Herzen der 12-Millionen-Metropole bei Dunkelheit wie ein brennender Fluss. Hier startete sie, unsere zehnwöchige Tour durch Südamerika – in der Geburtsstadt des Tango, der Heimat legendärer Rindsteaks und der Fußball-Legende Diego Maradona.


Donnerstagnachmittag stiegen wir in Santiago in den Flieger, um nach einer Reise quer über den Kontinent  und einem Zwischenstopp in Montevideo (Uruguay) am Abend voller Euphorie in Buenos Aires zu landen. Statt auf dem internationalen Airport vor den Toren der Stadt setzte unsere Pluna-Maschine direkt am Rio de la Plata, auf dem kleineren City-Flughafen, auf – so hatten wir zum ersten Mal einen perfekten Blick auf die faszinierende Skyline...


Nach einem Spaziergang am Freitag auf der Calle Florida, Argentiniens größter Einkaufsmeile, steuerten wir am Samstag das legendäre Hafenviertel La Boca an. Vorbei an La Bombonera, dem Heimstadion der Boca Juniors, fuhren wir bis zum Caminito, einem berühmten bunten Häuserblock im Zentrum des alten Hafenviertels. Die Boca-Legende Diego Maradona ist hier allgegenwärtig. Sein Konterfei prangt als Graffiti von Häuserwänden, er grüßt als Plastik-Figur von Balkons und aus Fenstern. Sogar ein menschliches Double im argentinischen Nationaltrikot steht für Erinnerungsfotos bereit.











Schade nur, dass sich kurz nach unserer Ankunft der Himmel verdunkelte und monsunartiger Regen das gesamte Viertel unter Wasser setzte. Das hatte jedoch auch etwas Gutes: Den Caminito hatten wir danach fast für uns alleine.


Kurz darauf kämpfte sich die Sonne wieder hinter den Wolken hervor und wir schlenderten durch die Innenstadt, in der fast überall europäisches Flair weht. Die weitläufigen Alleen werden von klassischer Architektur dominiert, ähnlich wie in Paris. Doch statt des Eiffelturms blitzt in Argentiniens Hauptstadt hier und da der Obelisk durch eng bebaute Häuserschluchten.


Auf der Suche nach einem Lonely Planet für Südamerika stolperten wir in der Calle Santa Fe in eine der schönsten Buchhandlungen der Welt. Kaum zu glauben: Das Ateneo befindet sich in einem umfunktionierten Theatersaal! Wo auf dem Parkett einst das Publikum saß, reiht sich nun ein Regal ans andere, in den Logen blättern die Besucher auf Sesseln in argentinischer Literatur und auf der Bühne befindet sich ein nobles Café. Unseren Lonely Planet fanden wir hier zwar nicht, doch alleine der Anblick des imposanten dreistöckigen Buchpalastes war den Besuch wert.


Unser erstes von drei Hostels während unseres gut zweiwöchigen Aufenthalts (mehr in der Rubrik Reiseroute) liegt in San Telmo, einem atmosphärischen Altstadt-Viertel unweit des Obelisken. Direkt vor unserer Haustür baute sich hier am Sonntag ein riesiger Straßenmarkt auf, der zehntausende Besucher anzog. Auf rund zwei Kilometern reihte sich dabei eine unüberschaubare Fülle an Kunsthandwerk- und Souvenirständen aneinander. Fast jeden der Händler sah man an kleinen braunen Krügen (guampa) mit Metall-Trinkröhrchen (bombilla) nippen. Der Mate-Tee, das argentinische Nationalgetränk, gehört in Buenos Aires genauso zum Straßenbild wie Steak-Restaurants (parilladas) und die unzähligen hellblau-weißen Nationalfahnen.







 




Einer trommelnden Gruppe Flaggenträger folgten wir danach in Richtung Plaza de Mayo, wo die Bicentenario-Feierlichkeiten bei einer riesigem Karnevalsparade gerade ihren Höhepunkt erreichten. Genauso wie Chile feiert auch Argentinien in diesem Jahr seine 200-jährige Unabhängigkeit. Überschattet wurde das mehrmonatige Fest im November jedoch vom plötzlichen Tod des Ex-Präsidenten Néstor Kirchner. Bereits seit 2007 wird Argentinien von seiner Frau Cristina Fernández de Kirchner regiert. In der aktuellen Krise steht das Land noch geschlossener hinter ihr als sonst. An jeder Straßenecke finden sich Aufkleber oder gesprayte Parolen mit den Namen der Präsidentenfamilie.



Nicht mithalten konnten die vielfältigen Eindrücke an der Erdoberfläche jedoch mit der ersten Untergrund-Bahnfahrt in Buenos Aires. Die Metro, die hier Subte (subterraneo) genannt wird, ist die älteste in ganz Lateinamerika. Auf Linie A sind sogar noch die ersten Wagen von 1913 mit antiker Innenausstattung im Einsatz. Für Bahn-Fans sind die rumpelnden Waggons ein absolutes Highlight. Auch wir ließen uns eine Fahrt in der Holz-Metro, die sich im Schneckentempo durch den engen Bahntunnel schob, natürlich nicht entgehen.



Der historische Zug führte uns bis zum Kongress, der sich architektonisch stark am US-Capitol orientiert und auch dem Deutschen Bundestag ein wenig ähnelt. An die Heimat erinnert wurden wir sogar beim Blättern am Zeitungskiosk. Neben der spanischen El Pais und dem englischsprachigen Buenos Aires Herald fanden wir dort eine Ausgabe des Argentinischen Tageblatts. Mit brandneuen Neuigkeiten wie den Bundesliga-Ergebnissen vom vergangenen Wochenende versorgt, machten wir uns auf den Weg zurück zum Hostel – am Vulkan führte da natürlich wieder kein Weg vorbei.


Donnerstag, 9. Dezember 2010

Das Abenteuer beginnt...




¡Chao Chile, adiós Santiago! Unsere Zeit in der Hauptstadt geht heute vorbei, doch vor uns liegt das Abenteuer… In den nächsten zehn Wochen reisen Corinna und ich mit dem Rucksack quer durch Südamerika – von Buenos Aires nach Feuerland, von Patagonien bis Peru und im Februar zurück nach Santiago. Doch zunächst hieß es Abschied nehmen, von lieben Menschen und der Sechs-Millionen-Metropole, die in den letzten Monaten unser Zuhause war.


~ Die Woche der Abschiede ~

50 Plastikbecher stehen auf dem Tresen. Aus einer Fünf-Liter-Karaffe kippt der Barkeeper einen Weißwein-Wasserfall in die mit Ananas-Eis gefüllten Behälter. Ein Schuss Fernet Branca, ein Strohhalm – und fertig ist das chilenische Kult-Getränk. Der Terremoto, ein Promille-Erdbeben im Halbliter-Format, haut selbst Hartgesottene von den Füßen. Doch in Santiagos legendärer Bar Piojera („Läusehöhle“) wird der Billig-Punsch tablettweise geordert.

 

Es war ein einmaliger Ort, um zusammen mit unseren Mitbewohnern Petra und Kevin den letzten Abend in Santiago zu feiern. Die Atmosphäre in dem heruntergekommenen Laden pendelt irgendwo zwischen Hofbräuhaus und Dorfkneipe. Auf harten Holzbänken wird auch schon mal im Stehen gegrölt, Sägespäne auf dem Fußboden saugen Verschüttetes auf. Wir genehmigten uns einige Terremotos – bevor wir später bei der After-Office-Disco über den Dächern der Stadt bis in die Nacht zu Raeggaeton-Beats tanzten. 


Bereits eine Woche zuvor standen zwei weitere despedidas auf dem Programm. Meinen Ausstand bei Chile Inside zum Ende des zweimonatigen Praktikum feierte ich zusammen mit meinen acht Kolleginnen (!) bei Pizza und chilenischem „Champagner“. Und der Abschied unseres Leipziger compañeros Gerd in Richtung Patagonien wurde mit einer zünftigen Carrete in der Casa de Flaite begangen. ¡Compartir!


~ Mit dem Rucksack durch Südamerika ~

Eine großartige Zeit geht nun zu Ende, mit vielen sympathischen Bekanntschaften, unvergesslichen Eindrücken und Erlebnissen. Nicht nur Tercera-Lesen bei Café con Leche, Santiagos Plaza de Armas und das Panorama vom Cerro San Cristóbal werden mir fehlen. Auch die Andensilhouette über dem Hochhausmeer wird mir im Gedächtnis bleiben - und der dröhnende Klang von Reggaeton-Beats aus offenen Autofenstern in meinen Ohren.

 

Mit dem Flug nach Buenos Aires startet heute unsere große Rundreise durch Lateinamerika. Von Argentiniens Hauptstadt geht es  nach Weihnachten hinunter bis nach Feuerland und anschließend die chilenische Küste wieder hinauf gen Norden. Wo genau wir in den nächsten Wochen unterwegs sind, könnt ihr in der neuen Rubrik Reiseroute nachlesen! Um euch zusätzlich zu den Blogeinträgen mit aktuellen News von unserer Reise zu versorgen, werde ich meinen Twitter-Account ab heute wieder reaktivieren. Die neuesten Status-Meldungen werden immer oben rechts auf dieser Seite eingeblendet.

So, genug der Worte. Jetzt heißt es Rucksack schnappen und auf zum Flieger…

¡Nos vemos en Argentina!